Erste Weingartenbesuche haben stattgefunden
Im Rahmen des Projektes „Weingärten im Biotopverbund“ wurde bereits im letzten Jahr intensiv nach interessierten Betrieben gesucht. Gemeinsam mit dem Weinbauverband wurde das Projekt auch einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Nun haben sich mittlerweile mehrere Winzer*innen im Naturpark Südsteiermark gefunden, die gerne am Biotopverbund mitarbeiten wollen und bereit sind, auf ihren Flächen Strukturen wie Einzelbäume, Hecken oder auch Käferburgen (Strukturen aus Totholz, die vor allem Großkäfern wie dem Hirschkäfer einen sicheren Unterschlupf bieten) zu etablieren. Um diese auch sinnvoll zu gestalten und einen Mehrwert für Mensch und Tier zu schaffen wurden bereits einige Weingärten von Biodiversitätsexpertin Anna Luidold (Regionalmanagement Südweststeiermark) und Önologin Sabrina Dreisiebner-Lanz (Bio Ernte Steiermark) besucht.
In Gesprächen mit den Weinbauern und Weinbäuerinnen zeigte sich einmal mehr, wie sehr auch ihnen unsere Biodiversität am Herzen liegt und wie groß die Bereitschaft ist, gemeinsam etwas für den Erhalt der Artenvielfalt zu tun.
Von der Wahl einer ökologisch sinnvollen Begrünungsmischung über Informationen zum richtigen Mahdzeitpunkt bis hin zur Wahl des richtigen Holzes für die Anlage einer Käferburg – viele Themen wurden mit den Weinbaubetrieben diskutiert. Zum Beispiel spielt auch die richtige Auswahl der gepflanzten Gehölze eine wichtige Rolle. Diese müssen im Weingarten gleich zwei wesentliche Funktionen erfüllen: Erstens sollen sie standorttypisch sein, und damit einen Mehrwert für unsere heimischen Tiere bieten, zweitens dürfen sie keine Schadinsekten anlocken. Solche sind, wie zum Beispiel die Amerikanische Rebzikade, bei uns ohnehin meistens nicht heimisch.
Bei den bisherigen Besuchen vor Ort hat sich aber deutlich gezeigt, wie viele Strukturen bereits in und um die Weingärten vorhanden sind – meist ohne das Bewusstsein der Betriebe über diese. Diese vorhandenen Biotope gilt es besonders zu schützen und auszubauen.
Totholz, liegend oder stehend, ist ein wichtiger Lebensraum für unzählige Insekten. Diese sind wiederum Nahrungsquelle für Vögel wie den Kleiber, Wiedehopf und Neuntöter – bei uns mittlerweile schon sehr selten gewordene Vogelarten.
Trockensteinmauern bieten Reptilien wie der Smaragdeidechse einen perfekten Unterschlupf. Die wechselwarmen Tiere können sich in den Morgenstunden an der Oberfläche aufwärmen, sich tagsüber im Inneren aber vor zu großer Hitze schützen. Abbruchkanten, Steilwände und andere offene Stellen sind somit ideale Nistplätze für solitär lebende Bienen, wie Mauerbienen oder Sandbienen.
Aber auch Trockensteinmauern bedürfen regelmäßiger Pflege, da Verbuschung zu Problemen führen kann.
Mag. Anna Luidold
Regionalmanagerin – Naturpark Südsteiermark
a.luidold@naturpark-suedsteiermark.at
T.: +43 676 845961309